Studienordnung
der Frauenakademie Ulm
   
  I.  Präambel
Der Studiengang »Frauenakademie« ist ein wissenschaftsorientiertes Weiterbildungsangebot für Frauen in Trägerschaft der Ulmer Volkshochschule. Die Konzeption wurde im Zeitraum 1987 bis 1994 vom Seminar für Pädagogik der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit dem Träger und den teilnehmenden Frauen modellhaft erarbeitet.

Für die Frauenakademie Ulm gelten folgende Zielvorstellungen:

»Erweiterung der Sach-, Handlungs- und Kommunikationskompetenz;
Erweiterung der Allgemeinbildung unter Einbezug frauenspezifischer Forschungsergebnisse;
Erkennen der persönlichen Lebenssituation im Zusammenhang der gesellschaftlichen Bedingungen;
Entwicklung von Kompetenzen zur Erleichterung des beruflichen Wiedereinstiegs bzw. der Teilnahme an berufsqualifizierenden Maßnahmen;
Qualifizierung der Teilnehmerinnen für die Übernahme neuer Aufgaben und Tätigkeitsfelder im alten Beruf oder im "nebenberuflichen" oder ehrenamtlichen Bereich.«
   

(zitiert nach Carmen Stadelhofer u.a.: Zwischen Reflexion und Einmischung. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellversuch »Frauenakademie – wissenschaftsorientierte Weiterbildung von Frauen als Vorbereitung auf neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder«. Mössingen-Talheim 1994, S.51)

Die nachfolgende Studienordnung gilt für alle Teilnehmerinnen der Frauenakademie. Sie kann nur den Regelfall definieren, Ausnahmen sind also im Einzelfall möglich.

Die vorliegende Fassung wurde im Sommersemester 2011 erarbeitet und mit den Studienordnungen der Frauenakademien Schwäbisch Hall, Stuttgart, Karlsruhe, Neckarsulm, Eberbach-Neckargmünd, Buchen und Isny abgestimmt. Auf diese Weise soll eine weitgehende Übereinstimmung erzielt und die Systematisierung und Übertragbarkeit des Studiengangs Frauenakademie erleichtert werden. Sie löst die bisherige Studienordnung ab und tritt am 1. Juli 2012 in Kraft.

   
II.   Dauer des Weiterbildungsstudienganges
Grundsätzlich gilt eine Regelstudienzeit von sechs Semestern. Dabei erfolgt die Einschreibung semesterweise, d.h. Teilnehmerinnen können
mit dem Studium auch vor Ablauf der 6 Semester aufhören,
mit Beginn des Hauptstudiums (ab dem 3. Semester) im Bedarfsfall semesterweise pausieren,
über das 6.Semester hinaus Angebote des Hauptstudiums oder des Aufbaustudiums belegen.
Die Gebühren werden entsprechend der Anzahl der belegten Kurse berechnet.
   
III. Aufbau des Weiterbildungsstudiums
   
III. 1. Studienverlauf
Das Weiterbildungsstudium umfasst einen 6-semestrigen Studiengang mit zwei unterschiedlichen Studienphasen:
2-semestrige Orientierungsstufe
4-semestriges Hauptstudium

danach: Aufbaustudium möglich

Der Unterricht findet an mindestens 1 Vormittag  bzw. Nachmittag
à vier Unterrichtseinheiten statt.

Für die regelmäßige Teilnahme an den einzelnen Studieneinheiten werden am Semesterende Teilnahmebescheinigungen ausgestellt. Darüber hinaus können weitere Scheine im Laufe des Studiums erworben werden, die sich nach Art der erbrachten Leistung unterscheiden (siehe hierzu Punkt III.4. der Studienordnung).

Der Studiengang »Frauenakademie« kann mit einem Frauenakademie-Zertifikat abgeschlossen werden. Die hierfür benötigte Anzahl und Art der Scheine regelt Punkt V. der Studienordnung.

   
III.2. Studienorganisation in der Orientierungsstufe
Die beiden ersten Semester dienen der allgemeinen Orientierung. Es wird an einem Vormittag oder Nachmittag (à vier Unterrichtstunden) in festen Gruppen gearbeitet mit einem für die gesamte Gruppe verbindlichen Stundenplan. Grundsätzlich gilt, dass einzelne Fächer nicht isoliert dargestellt werden, vielmehr sollen Zusammenhänge bewusst gemacht werden.
Für alle verbindlich werden unter einem allgemeinen Oberthema die Fächer Geschichte/Politik, Literatur/Kultur und Frau in der Gesellschaft angeboten. Darüber hinaus wird der Semesterablauf gruppenspezifisch begleitet. Wahlweise kann ein zusätzlicher Vormittag mit Angeboten aus Philosophie, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Naturwissenschaft und Wirtschaft belegt werden.

Im Verlauf des zweiten Semesters werden in Kleingruppenarbeit einzelne Aspekte der Themenstellungen von den Teilnehmerinnen selbst untersucht und in einen Zusammenhang mit dem Gesamtthema gebracht. Abschließend finden Präsentationen vor der gesamten Semestergruppe statt.

Bei regelmäßiger Teilnahme am Kursprogramm des jeweiligen Semesters wird eine Teilnahmebescheinigung für das gesamte Semester ausgestellt; dabei werden jeweils besuchte Kurse einzeln aufgelistet. Die regelmäßige Teilnahme am Gesamtprogramm der Orientierungsstufe ist Voraussetzung für die Teilnahme am Hauptstudium.

   
III.3.  Studienorganisation im Hauptstudium
Mit Beginn des viersemestrigen Hauptstudiums löst sich der feste Gruppenverband auf, und die Teilnehmerinnen stellen sich ihren individuellen Stundenplan aus einer Reihe von verschiedenen Lehrangeboten zusammen. Dabei entscheidet jede Teilnehmerin selbst über Umfang und Schwerpunkt ihres Engagements.

Das Programm besteht aus Lehrangeboten zur Einführung in grundlegende, gesellschaftlich und persönlich relevante Themenkreise aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie z. B. Politik, Psychologie, Kunst, Philosophie, Geschichte, Ökologie, Literatur, Soziologie usw.

Jeder Teilnehmerin wird empfohlen, ab dem 3. Semester im Rahmen dieses Programms einen Studienschwerpunkt auszuwählen, je nach ihren persönlichen Interessen. Als Studienschwerpunkt im Sinne der Anerkennung für das Zertifikat gilt, wenn in einem Bereich mindestens sechs Bausteine (inklusive Nachbardisziplinen) belegt wurden. Kontinuierlich angeboten im Sinne eines Studienschwerpunkts werden derzeit:

Politik und Gesellschaft
Kultur und Gesellschaft
Naturwissenschaften
   
Zum Programm gehören außerdem methodisch orientierte und persönlichkeitsorientierte Angebote, wie z. B. Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, Rhetorik, Kommunikation, Selbstmanagement usw. Ein weiterer fester Bestandteil des Angebots im Hauptstudium sind Projekte, die über mindestens ein Semester laufen.
Teilnehmerinnen des 2. Semesters können unter bestimmten Voraussetzungen (Bausteingröße, Vorkenntnisse) nach Rücksprache mit den jeweiligen DozentInnen als Gasthörerinnen zusätzlich zu ihrem Semesterprogramm Angebote des Hauptstudiums besuchen. Außerdem können Teilnehmerinnen des 2. Semesters bereits an einem der Projekte teilnehmen.
   
III.4.     Studienorganisation im Aufbaustudium
Nach bescheinigtem Abschluss des Hauptstudiums haben Teilnehmerinnen der Frauenakademie die Möglichkeit, im Aufbaustudium ihr Wissen zu vertiefen. Es können mehrere (mindestens 2) Bausteine und/oder Projekte belegt werden.
Teilnehmerinnen des Aufbaustudiums haben die Möglichkeit, an den Angeboten des Hauptstudiums teilzunehmen, falls freie Plätze vorhanden sind. Ebenso können Teilnehmerinnen des Hauptstudiums Angebote des Aufbaustudiums belegen, sofern Plätze frei sind.
Auch die Belegung von nur einem Baustein pro Semester ist möglich, gilt aber nicht als Aufbaustudium und nur für Kurse, in denen Plätze frei sind.
   
III.5. Art der Leistungsnachweise
Die Leistungsnachweise (Scheine), die im Verlauf des Studiums erworben werden können, unterscheiden sich nach Art der erbrachten Studienleistung.
1.   Teilnahmescheine
  Teilnahmescheine dokumentieren die kontinuierliche Teilnahme an einer Studieneinheit über ein Semester hinweg. Zur Vergabe eines Teilnahmescheins wird eine Teilnahme an mindestens 80% des Unterrichts vorausgesetzt.
2. Übungsscheine
  Übungsscheine bestätigen die aktive Erprobung einer Einzelleistung innerhalb einer Studienveranstaltung, wie z. B. ein Protokoll oder die Diskussionsleitung.
3.   Qualifizierte Scheine
  Qualifizierte Scheine werden im Hauptstudium durch Referate oder Hausarbeiten erworben. Diese können auch in der Gruppe erstellt werden, sofern Einzelleistungen kenntlich gemacht werden.
4.   Projektscheine
  Projektscheine bestätigen die Mitarbeit in einem als Projekt ausgewiesenen Angebot.
   
IV. Wahlprogramm
Zum Studienverlauf gehört neben dem Festprogramm ein Wahlprogramm, das studienergänzenden und -intensivierenden Charakter hat.
1.   Ganztageskurse/Wochenendseminare/Exkursionen
Während des gesamten Studiums werden immer wieder thematische und/oder gruppendynamische Wochenendseminare sowie Studienreisen angeboten, die ausschließlich für Teilnehmerinnen der Frauenakademie konzipiert sind.
2.  Service-Einheiten
Den Teilnehmerinnen der Frauenakademie können bestimmte,
besonders ausgewiesene Veranstaltungen der Ulmer Volkshochschule angeboten werden, an denen sie ergänzend zum Frauenakademie-Programm kostenlos bzw. zu einem reduzierten Gebührensatz teilnehmen können.
   
V.  Studienabschluss
   
V.1. Teilnahmebestätigung
Die Frauenakademie ist ein offenes Weiterbildungsangebot, das jederzeit beendet werden kann. Wenn die entsprechenden Nachweise vorgelegt werden, erhält jede Teilnehmerin auf Wunsch eine Teilnahmebestätigung. Bestandteil der Teilnahmebestätigung ist ein persönlicher Studienbericht, der aus der tabellarischen Auflistung aller besuchten Angebote und selbstständig erstellten Arbeiten besteht. Er wird von der Teilnehmerin persönlich verfasst und von der Leitung der Frauenakademie unterzeichnet.
Am Ende des 6. Semesters wird im Rahmen des Semesterabschlussfestes allen Teilnehmerinnen des entsprechenden Jahrganges eine Teilnahmebestätigung (ohne persönl. Studienbericht) überreicht.
 
V.2. Frauenakademie-Zertifikat

1.   Zweck des Zertifikats
Mit dem Zertifikat weist die Teilnehmerin nach, dass sie im Rahmen des Weiterbildungsstudiums Frauenakademie vertieftes Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben hat und diese angemessen dokumentieren und präsentieren kann.

2.   Voraussetzungen für das Zertifikat
Ein Zertifikat kann erwerben,

  • wer am Studienprogramm mit insgesamt 600 Unterrichtseinheiten ordnungsgemäß, d. h. mindestens 80 % teilgenommen hat.
    Das Studienprogramm beinhaltet eine 2- semestrige Orientierungsstufe sowie ein mindestens 4- semestriges Hauptstudium
  • wer an der »Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten« sowie einem Baustein mit speziellem frauenspezifischen Schwerpunkt teilgenommen hat
  • wer 2 qualifizierte Scheine, 2 Übungsscheine, 1 Projektschein erworben hat.
Auf dem Zertifikat wird die Summe der gesamten absolvierten Unterrichtseinheiten im Grund- und Hauptstudium benannt.

3. Zertifikat mit besonderer Leistung
Es ist möglich, ein Zertifikat mit besonderer Leistung (z. B. ausführliche schriftliche Arbeit) zu erlangen. Das Thema der Arbeit wird auf der Zertifikatsurkunde benannt.

 
VI.  Zertifikat
Hat eine Teilnehmerin die unter Punkt V. aufgelisteten Anforderungen erfüllt, so wird ihr das Frauenakademie-Zertifikat überreicht, das die erbrachte Leistung der Abschlussarbeit benennt. Darüber hinaus legt die Absolventin einen persönlich verfassten Studienbericht vor (siehe Punkt V.1.), der von der Leitung der Frauenakademie bestätigt wird.
 
VII.  Mitbestimmungs- und Entscheidungsstrukturen innerhalb der Frauenakademie
Zuständiges Gremium für alle die Frauenakademie betreffenden inhaltlichen und organisatorischen Fragen und Entscheidungen – und somit auch verantwortlich für die vorliegende Studienordnung – ist die Entwicklungskommission. Über Entscheidungen, die den Haushalt der Volkshochschule betreffen, kann hier beraten, jedoch nicht beschlossen werden.

         Die Entwicklungskommission setzt sich zusammen aus:

  • zwei VertreterInnen der Volkshochschule
  • zwei VertreterInnen der DozentInnen
    (nicht institutionsgebundene DozentInnen)
  • zwei Vertreterinnen der Teilnehmerinnen
  • zwei Vertreterinnen des Vereins zur Förderung der Frauenweiterbildung e.V. (ohne Stimmrecht)

Jede der oben genannten drei stimmberechtigten Gruppen hat bei Entscheidungen der Entwicklungskommission ein Vetorecht, d.h., Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden.

Ist ein Entwicklungskommissionsmitglied weder persönlich noch durch den/die StellvertreterIn der Gruppe vertreten, so ist die Entwicklungskommission beschlussfähig, wenn dem abwesenden Mitglied die anstehenden Tagesordnungspunkte bekannt waren und es bis zur Sitzung keine Einwände gegen eine Beschlussfassung vorgebracht hat.

Die VertreterInnen der Institution werden von der Institution benannt, ebenso die/der StellvertreterIn. Die Vertreterinnen der Teilnehmerinnen und der DozentInnen und jeweils ein/e StellvertreterIn werden durch Wahl im Sprecherinnenrat bzw. in der DozentInnenrunde ermittelt. (Sprecherinnen für 2 Semester, DozentInnen für 1 Semester)

Im Sprecherinnenrat sind das 2. Semester und alle fortlaufenden Semesterkurse des Haupt- und Aufbaustudiums der Frauenakademie durch jeweils zu Semesterbeginn gewählte Sprecherinnen vertreten.
An der DozentInnenrunde nehmen alle im laufenden Semester an der Frauenakademie unterrichtenden DozentInnen teil.

Die VertreterInnen der Teilnehmerinnen und der DozentInnen in der Entwicklungskommission sind durch den Sprecherinnenrat bzw. durch die DozentInnenrunde bevollmächtigt in der EK selbständig Entscheidungen zu treffen. Sollten sie bestimmte Punkte in ihren Gremien vor einer Entscheidung abklären wollen, so besteht die Möglichkeit, diese Punkte zu vertagen oder aber Veto einzulegen.

Die Entwicklungskommission tagt im Regelfall zweimal im Semester; die Treffen der DozentInnen und der Teilnehmerinnen sollten jeweils vorher stattfinden, damit die in der Entwicklungskommission anstehenden Tagesordnungspunkte in diesen Gremien vorab diskutiert werden können. Die Sitzungen sind öffentlich für Teilnehmerinnen und DozentInnen der Frauenakademie.

 
VIII.  Spezielle Qualifizierungsangebote an der Frauenakademie
 

1.    Frau und Beruf
Im Rahmen der Konzeptentwicklung der Frauenakademie wurde im September 2006 der Bereich »Frau und Beruf« neu gegründet. Dieser Bereich ist gedacht für Frauen, die gezielt den beruflichen Wiedereinstieg anstreben.

Studieninhalte:

  • Persönliche Bildungsberatung
  • Individuelle Potenzialanalyse
  • Kommunikation, Rhetorik, Gesprächsführung, Moderation
  • Konfliktbewältigung, Umgang mit Stress und Rückschlägen
  • PC- Europäischer Computerführerschein mit Zertifikat (ECDL)
  • PC-Praxis für Einsteigerinnen
  • Business Englisch
  • Englisch Anfängerinnen und Auffrischung
  • Kompetenzen nutzen und fördern – Netzwerke schaffen
  • Finanzielle Situation der Frau
  • Betriebswirtschaft – Grundkenntnisse
  • Wege in die Selbstständigkeit
  • Bewerbungsmappe, Bewerbungstraining, Eigenmarketing
  • Praktikumsvorbereitung, Arbeitstechniken, Selbstmanagement
  • Abschlussprojekt

Im Rahmen dieser Fortbildung findet ein Praktikum statt. Die absolvierten Qualifizierungen werden zertifiziert. Der Unterricht findet an zwei Vormittagen fortlaufend über 1 Jahr statt.

2.   Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen
Basierend auf dem als Bundesmodellprojekt entwickelten Lernhauskonzept gibt es seit Oktober 2010 an der Frauenakademie eine Qualifizierung zum Erwerb interkultureller Kompetenzen.
Die Lerngruppe setzt sich zusammen aus Frauen mit und ohne Einwanderungsbiografie.

Themenschwerpunkte:

  • Dialogmethode
  • Biografie und Transkultur
  • Wahrnehmung und Wirklichkeit
  • Mediation
  • Rolle der Frau in den Weltreligionen
  • Netzwerke und Praxisfelder
  • Kreativwerkstatt
  • Öffentliche Abschlussveranstaltung.
Diese Weiterbildung an der Frauenakademie umfasst 1 Jahr mit 14-tägigen Gruppentreffen. Sie schließt ab mit der Zertifizierung als »Kulturmittlerin«.

Für Teilnehmerinnen beider Qualifizierungsangebote gilt:

  • sie können während und nach der Qualifizierung Kurse des Haupt- und Aufbaustudiums belegen, ohne an der Orientierungsstufe teilgenommen zu haben.