Die Entstehungsgeschichte
der Frauenakademie Ulm
 

Frauenakademie - dieser Namen steht heute für ein Modell der Frauenweiterbildung, das im Wintersemester 1986/87 in Ulm aus der Taufe gehoben wurde. Damals, 1986, wandte sich eine Gruppe Frauen, die zuvor den "Neuen Start ab 35" besucht hatte, gemeinsam mit Ihrer Dozentin an die Volkshochschule Ulm. Der nur auf wenige Monate angelegte "Motivierungs- und Orientierungskurs" hatte bei Ihnen das Bedürfnis nach einer Vertiefung der im Kurs angerissenen Inhalte geweckt.Interesse bestand vor allem im Bereich der Allgemeinbildung, insbesondere an den Gebieten Psychologie, Politik, Literatur und Philosophie. Das bestehende Weiterbildungsangebot deckte dieses Interesse jedoch in keiner Weise adäquat ab. Die Frauen, durch die Teilnahme am "Neuen Start" im wahrsten Sinne motiviert, beschlossen gemeinsam mit ihrer Dozentin, hier Abhilfe zu schaffen.

Es gelang Ihnen, für ihr Vorhaben die Ulmer Volkshochschule zu gewinnen, und so startete im Herbst des gleichen Jahres unter dem selbstgewählten Namen "Frauenakademie" der erste Kurs mit 25 Teilnehmerinnen. Bereits in der Wahl des Namens drückte sich der Anspruch aus, den die Frauen mit ihrem Vorhaben verbanden: Hier sollte etwas entstehen, das ausdrücklich die Weiterbildungsbedürfnisse von Frauen aufgreifen sollte, und zwar auf einem bewusst hohen Niveau.

Schon ein Semester später folgte eine weitere Gruppe Frauen und sehr schnell wurde die Notwendigkeit für ein strukturiertes Angebot deutlich. Für diese Aufgabe, einen Studiengang "Frauenakademie" zu entwickeln, konnte sich die Ulmer Volkshochschule die Unterstützung des Seminars für Pädagogik an der Universität Ulm sichern. In der Folge sorgte das Seminar für Pädagogik im Rahmen einer vereinbarten Kooperation vom Herbst 1987 bis Februar 1994 für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts.

Gemeinsam mit dem Träger Volkshochschule, einem Wissenschaftlerinnenteam und den teilnehmenden Frauen entwickelte man am Seminar für Pädagogik modellhaft die Gesamtkonzeption Frauenakademie. Die Ergebnisse dieses Prozesses liegen in Form eines Abschlussberichtes der wissenschaftlichen Begleitung vor, der detailliert Auskunft über das Gesamtprojekt gibt.( Stadelhofer, Carmen u.a.: Zwischen Reflexion und Einmischung. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellversuch "Frauenakademie - wissenschaftsorientierte Weiterbildung von Frauen als Vorbereitung auf neue Aufgaben und Tätigkeitsfelder". Mössingen-Talheim 1994)

Nach Beendigung der wissenschaftlichen Begleitung hat sich in der täglichen Praxis der Volkshochschularbeit für die Ulmer Frauenakademie eine Struktur herauskristallisiert, die in den Grundzügen der Modellkonzeption entspricht und zugleich die Erfahrungen der letzten Jahre reflektiert.

Cornelia Frettlöh, Ulm 1996

 

Konzeptweiterentwicklung
für die Frauenakademie bis zum Jahr 2014

Die zunehmende Nachfrage nach Bildungsangeboten an der Frauenakademie Ulm sowie die gesellschaftliche und politische Entwicklung und die daraus resultierenden Anforderungen im Bildungsbereich waren Anlass, im Jahr 2004 die Arbeitsgruppe »Konzeptentwicklung der Frauenakademie bis zum Jahr 2014« zu gründen.Teilnehmer/-innen waren die Fachbereichsleiterin Gesa Krauß, der Fachbereichsleiter Lothar Heusohn sowie fünf DozentInnen und zwei Teilnehmerinnen der Frauenakademie. Die Konzeptgruppe wurde geleitet von Marion Meichsner, Unternehmensberaterin und Dozentin.

Als Schwerpunkte von den in der Konzeptentwicklungsgruppe angestrebten Entwicklungen und Veränderungen wurden folgende Punkte umgesetzt:

1. Neugründung des Bereiches Frau und Beruf
  Dieser Bereich steht Frauen zur Verfügung, die nach/während der Familienphase gezielt den beruflichen Wiedereinstieg anstreben. Er bietet sowohl intensive persönliche Beratung (Coaching) als auch Qualifizierungsbausteine zur beruflichen Neuorientierung.
   
2. Erweiterung des Bereiches Internationale Arbeit
  Hier geht es um die Aufrechterhaltung und Erweiterung internationaler Kontakte z.B. in Form von GRUNDTVIG–Lernpartnerschaften, die eine hohe Beteiligung von Lernenden anstreben und so den Frauen im Rahmen des Frauenakademiestudiums ein Kennenlernen von Lern- und Lebenswirklichkeiten im europäischen Kontext ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist die Integration von Migrantinnen an der Frauenakademie.

Marion Meichsner, Ulm 2005

 

Neues Qualifizierungsangebot
"Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen"

Die Frauenakademie der Ulmer Volkshochschule bietet seit Herbst 2010 im "Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen" eine Fortbildung zur Kulturmittlerin an. Die Fortbildung geht hervor aus einem Modellprojekt, das 2005 - 2008 in Berlin, Frankfurt und Köln vom Bundesministerium für Familie Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert worden ist.

Das Lernhauskonzept orientiert sich an der Systematik des Europäischen Qualifikationsrahmens und den Empfehlungen des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen lebenslangen Lernens. Es wird im Nationalen Integrationsplan (2007) als eines der Beispiele guter Praxis aufgeführt.

Die Frauenakademie der Ulmer Volkshochschule hat das Modellprojekt aufgegriffen und gemäß der örtlichen Bedürfnisse weiterentwickelt. So wie es aktuell an der Ulmer Volkshochschule statt findet, wurde das „Transkulturelle und interreligiöse Lernhaus der Frauen“ 2011 für den Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung, der vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung verliehen wird, nominiert. Mit der Bewertung als besonders innovatives und herausragendes Projekt wurde die Umsetzung des Modellkonzepts durch einen lokalen Bildungsträger gewürdigt.

Die im Ulmer Lernhaus ausgebildeten Kulturmittlerinnen wirken aktiv in vielfältiger Weise bei der Umsetzung des Konzepts "Ulm: Internationale Stadt" mit und tragen erfolgreich zur Förderung interkultureller Öffnungsprozesse bei.

Ulm 2013